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2. Etappe

Kristiansand - Revsnes

Der Törn fang ja gut an: kaum auf dem Wasser, drischt das Wetter auf uns ein. Starkwind von vorn, kabbeliges Wasser unter und strahlend blauer Himmel über uns. Eine seltsame Mi-schung. Bis nach Egersund, unserem Tagesziel, sind es noch dreißig Seemeilen. Absolut illu-sorisch. Gut, dann eben Listahavn. Nicht gerade ein gemütlicher Häfen, aber immerhin – ein Hafen. Einer der wenigen zwischen Mandal und Stavanger an der Südwestküste Norwegens. Und wenn es mit sechs Windstärken ins Gesicht bläst, ist man hier, an der Grenze von Nord- und Ostsee, nicht wählerisch. Wir fallen also nach Steuerbord ab und atmen auf, als unsere elf-Tonnen-Slup zu Stampfen aufhört. Langsam beschleunigt „Wiking“ wieder. Die Logge zeigt sieben Knoten an - immer-hin. An Backbord erscheint das markante Leuchtfeuer „Lista Fyr“, das stetig größer wird. Eigentlich wäre es jetzt langsam Zeit, das Groß zu bergen, aber noch ist uns das Wasser zu unruhig. Schließlich sind wir nur zu dritt und Britta ist in der achtundzwanzigsten Woche schwanger. Hinter den Molenfeuern erwartet uns ein geräumiges Hafenbecken, wo wir unser Stahlschiff aufklaren können. Wir bleiben nicht lange allein, nach einer halben Stunde sucht eine 45 Fuß lange Hallberg Rassy Zuflucht im inneren Fischereihafen. An Bord der schnieken schwedi-schen Yacht können wir nur einen älteren Segler entdecken. Der wettergegerbte Schwede ist nur in Jeans, Sandalen und Pullover gekleidet, ein Hüftleiden scheint ihn zu bremsen. Lang-sam bewegt es sich übers Deck. Motor rückwärts, Fender fest, aufstoppen, alle Leinen ausge-bracht, Fahrt nach vorn. Ein freundliches Lächeln, dann wirft uns der Einhandsegler seine Achterleine zu und geht mit seiner riesigen, makellosen Yacht längsseits. Beim Bier erzählt er uns, dass er von den Lofoten auf der Heimreise nach Åstal ist. Seine Tochter musste in Bergen aussteigen, daher muss er nun allein reisen. Um vier Uhr nachts schrecke ich aus dem Schlaf auf. Etwas wird aufs Achterdeck geworfen, aber was? Ich schäle mich aus dem Schlafsack und blicke durch das Achterluk in das freund-liche Gesicht des Fischers, an dessen Boot wir längsseits lagen. Bis auf unsere Vorleinen hat er schon alle Festmacher losgemacht und fährt nun rückwärts aus dem Päckchen heraus. Wir treiben indes im Hafenbecken, mit der fünfzehn Meter langen Rassy als Beiboot. Leicht be-kleidet springen wir an Land und machen provisorisch wieder fest. Die Mit-sommernachts-Sonne hat den Himmel schon in ein fahles Licht getaucht. Nächste Station: Egersund. Für viele Segler das Tor zu Norwegen. Ob von Skagen oder der Nordsee aus kommend, für den ersten Landfall ist der Hafen ideal. Geschützt zwischen hohen grünen Bergen und auf halber Strecke in einem langen, schmalen Sund, liegt man hier wie in Abrahams Schoß.







3. Etappe: Revsnes - Bodö